Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen - das Labyrinth und der Lebensweg

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Reisenummer: 2
Reisedatum: 02. April 2018 bis 07. April 2018
Reiseziel: Chartres
Reisepreise Preise und Leistungen finden Sie am Ende des Textes

 

 

 

 

LAUF´NICHT, GEH´LANGSAM:
Du mußt nur auf dich zugehn!
Geh´ langsam, lauf´nicht,
denn das Kind deines Ich,
das ewig neugeborene,
kann dir nicht folgen!

                                               J. R. Jiménez

 

Das Labyrinth als Metapher für den eigenen Lebensweg ist in den letzten Jahren wieder zunehmend in das Bewusstsein der Menschen getreten. Ob am Strand, im Gras, mit Steinen, Kieseln und Sand gestaltet oder auf einen Stoff aufgemalt, mit Schuhen oder barfuß, in mittelalterlicher Tradition auf den Knien erkundet oder ausdrucksstark ertanzt - der in Mustern gewundene Weg voller Überraschungen wird in vielfältiger Weise als Ort leiblicher Erfahrung angeboten.

Die gotische Kathedrale von Chartres steht als Sinnbild für den Menschen, seine Biografie und seinen Entwicklungsweg. Indem wir lernen, in ihr zu lesen, beginnen wir mehr und mehr, uns selbst zu verstehen und uns in den großen Sinnzusammenhang einzubetten. In den meist mehrtägigen Seminaren, in denen wir uns den Dimensionen der Kathedrale aus allen Richtungen nähern, ist das Labyrinthritual der choreographische Höhepunkt des Erfahrungsweges der Gruppe.

Wir haben die Möglichkeit außerhalb der regulären Öffnungszeiten das Labyrinth in einem meditativen Ritual zu begehen und so die besondere Wiksamkeit dieses bekanntesten, noch original erhaltenen  Steinlabyrinthes aus dem 13. Jahrhundert zu erleben.

 
Einige Gesichtspunkte zum gotischen Labyrinth

In dem Gedicht von Jiménez klingen schon mehrere Motive des Labyrinthes an, der Weg und das Ziel, das Zentrum und der Umkreis und auch die Achtsamkeit auf dem Wege. Nachdem er durch das Hauptportal der Kathedrale getreten ist, wo Christus über dem mittleren Eingang zu verkünden scheint: „Ich bin die Tür“ (Joh 10,7), tritt der Pilger nach einigen Schritten in Richtung Mittelschiff an den Eingang des großen, die ganze Breite einnehmenden Chartres-Labyrinthes. Hier wird eine zweite Stufe einer inneren Entwicklung angesprochen: „Ich bin der Weg“ (Joh 14,6).

Um das gotische Labyrinth zu verstehen, wie es in den meisten Kathedralen von
Anfang an konzipiert wurde, ist es nötig, eine Entwicklung der Labyrinthformen von
der Antike bis ins Mittelalter zu verfolgen. Im ägyptischen Labyrinth war es die
Herausforderung, aus dem Labyrinth wieder herauszufinden, in Griechenland gibt es
Labyrinthe, wo es sich um einen Abstieg handelt, in der Gotik und speziell in Chartres steigt der Pilger zum Zentrum auf: es geht um den Weg in die Mitte.

Die Sprache der Geometrie und die Zahlengesetzmäßigkeiten, die im Labyrinth
enthalten sind, geben weiteren Aufschluss über seinen tieferen Sinn. Es ist ein
schmaler Pfad, darin klingt die schmale Pforte des Evangeliums an: „Tretet ein durch
die enge Pforte“ (Mt 7,13). Es ist ein weißer Pfad, der ohne Sackgassen in die Mitte
führt, den jeder wie im Gedicht von Jiménez als individueller Mensch geht.

Der Weg durchs Labyrinth steht urbildhaft für den Lebensweg des Menschen. In den Zahlen kommen Rhythmen der Sonne und des Mondes vor, deren Kräfte es zu
harmonisieren gilt. Etwas Anderes ist der rhythmische Verlauf des Weges in der
Annäherung und der Entfernung vom Zentrum, in der Abfolge von kurzen und langen Strecken.

Unterstützt durch den überlieferten Pilgerschritt, kann das Bewusstsein des Pilgers
immer mehr eins werden mit dem Weg und jedem Schritt, jeder Lebenserfahrung
ihren Sinn als Teil des Ganzen schenken. Der Pilger wird nicht mehr von den
Schicksalsmächten auf seinem Wege bedrängt und die Kraft der Mitte, der eigenen
Mitte, auf die der Mensch sich hinentwickelt, beginnt zu tragen und auszustrahlen
auf das ganze Labyrinth.
Diese steht auch durch Grundriss und Aufriss der Kirche, wie sie von den Erbauern angelegt wurden, in Relation zu der großen, über dem Labyrinth leuchtenden Westrose. In ihrem Zentrum haben die Glasmaler den neuen Theseus dargestellt: Christus, der hinabgestiegen ist, den Tod zu überwinden, bevor er aufgestiegen ist zum Vater: „ In die Höhe auffahrend, führte Christus die Gefangenschaft gefangen mit sich „ (Eph 4,8). Desweiteren liegt das Zentrum des Labyrinthes auf dem Grundriss gleich weit von der Vierungsmitte als der Choraltar. Die Erbauer offenbaren uns: das Labyrinth ist eine Stufe auf dem Weg zum Altar.

Das ist ein moderner Weg durch das Labyrinth, fortwährend das Absterbende im
Bewusstsein zu überwinden, um in der Geistesgegenwart sich ganz mit seinem
eigenen Weg zu verbinden, der dann ganz selbstverständlich uns in die Begegnung
mit den anderen Pilgernden führt. Somit kann der alte Bußweg abgelöst werden
durch den Weg der Freude.

 

 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise Jahrtausende lang;
und ich weiss noch nicht:
bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein grosser Gesang.

Rainer Maria Rilke

 

Seminarpreis: 390 €

Preis für Unterkunft mit Frühstück auf Anfrage.

Ermäßigung für Studenten und in Sondersituationen auf Anfrage.

 

 

 


 

 

 

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